Wie wird ein Unterhaltungsverband klimaneutral?

Vorrangige Aufgabe von Unterhaltungsverbänden ist es, für eine ordnungsgemäße Entwässerung ihres Verbandsgebietes zu sorgen. Wenn zu diesem Zweck 150 Schöpfwerke mit Stromkosten von
rd. 800.000 € pro Jahr betrieben werden müssen, stehen Themen wie Nachhaltigkeit und Klimaschutz zunächst hintenan. Eine Analyse bestätigt, dass es möglich ist, bis 2035 die Klimaneutralität zu erreichen.

Der Unterhaltungsverband (UHV) Kehdingen liegt im Norden Niedersachsens an der Unterelbe, zwischen den Nebenflüssen Oste im Nordwesten und der Schwinge bei Stade im Süden. Das rd. 276 km² große Verbandsgebiet erstreckt sich in einer Breite von 4 - 7 km parallel zum Elbstrom. Die Landschaft Kehdingens im Elbe-Urstromtal wird bestimmt durch Marsch- und Moorländereien. Deiche schützen das Hinterland vor dem regelmäßig eintretenden Hochwasser und vor Sturmfluten. Im Laufe der regionalen Besiedelung hat sich ein stark agrarstruktureller Charakter herausgebildet. Auch heute noch ist die Wirtschaftsstruktur maßgeblich durch die Landwirtschaft geprägt.
Abgesehen vom Deichbau war die Anlage eines künstlichen Entwässerungssystems grundlegend für die Besiedelung der Marsch. Viele Flächen liegen unterhalb des Meeresspiegels und bedürfen einer stetigen Entwässerung. Zu diesem Zweck wurde in den Marschgebieten über die Jahrhunderte ein komplexes, künstliches Entwässerungssystem ausgebaut. Seit den 1960er-Jahren wurden vielerorts Schöpfwerke errichtet, die eine tideunabhängige Entwässerung ermöglichen.

Im Verbandsgebiet des UHV Kehdingen wird die Entwässerung durch insgesamt 151 Schöpfwerke gewährleistet, welche durch den UHV betrieben und unterhalten werden. Bis das Wasser in die Elbe gelangt, wird es bis zu 3 Mal gehoben. Die Schöpfwerkspumpen sind größtenteils nicht regelbar und technisch nicht auf dem neuesten Stand, woraus ein relativ hoher Energieverbrauch resultiert. Pro Jahr fallen im Verband je nach Witterung zwischen 700.000,- € und 900.000,- € an Stromkosten an.
Im Vergleich zu den übrigen Emissionsquellen hat der Betrieb der rd. 150 Schöpfwerke entscheidenden Einfluss auf die Klimabilanz des UHV Kehdingen. Insofern ist an diesem Hebel vorrangig anzusetzen.
Allerdings kann nicht davon ausgegangen werden, dass alle Schöpfwerke plötzlich auf klimaneutrale Antriebstechniken umgerüstet werden können. Der Stromantrieb ist hier alternativlos und zudem bereits umweltfreundlicher als z. B. frühere dieselbetriebene Schöpfwerke.
Insofern bieten sich lediglich zwei Ansatzpunkte für eine Verbesserung der Klimabilanz an: zum einen die Umstellung der Art bzw. Herkunft des bezogenen Stroms auf erneuerbare Energiequellen (Sonne, Wind, Wasser), zum anderen eine möglichst effiziente Antriebs- und Verfahrenstechnik.




Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasser und Abfall 10 (Oktober 2020)
Seiten: 7
Preis: € 10,90
Autor: Prof. Dr. Heinrich Reincke
Robert Nicolai
Hans-Jürgen Smidt
Guido Majehrke
 
 Diesen Fachartikel kaufen...
(nach Kauf erscheint Ihr Warenkorb oben links)
 Artikel weiterempfehlen
 Artikel nach Login kommentieren


Login

ASK - Unser Kooperationspartner
 
 


Unsere content-Partner
zum aktuellen Verzeichnis



Unsere 3 aktuellsten Fachartikel

Stand der düngerechtlichen Regelungen und Auswirkungen auf den Einsatz von Komposten und Gärresten in der Landwirtschaft
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH (10/2021)
Die KOM fordert, dass Deutschland die Düngung für Stickstoff in den gefährdeten Gebieten signifikant einschränkt. Dabei darf diese Einschränkung nicht zu einer Verlagerung und damit zu einer Intensivierung in den 'nicht'-gefährdeten Gebieten führen.

Der Markt für Waste-to-Energy - Entwicklungen und Trends bis 2030
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH (10/2021)
Der Beitrag 'Der Markt für Waste-to-Energy - Entwicklungen und Trends bis 2030' stellt dar, wie sich die Abfallentsorgung und insbesondere die energetische Verwertung in Deutschland in den kommenden Jahren entwickeln werden. Dabei werden auch Teilmärkte, wie der Markt für Klärschlamm(mono)verbrennung oder der für Biomasse/Altholz, dargestellt.

Optimierte Verwertung von Siebresten aus Biogutvergärungs- und -kompostierungsanlagen (Sieb-OPTI)
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH (10/2021)
Im Projekt Sieb-OPTI, gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, wurden vor dem Hintergrund einer zunehmenden Fremdstoffproblematik auf Biogutbehandlungsanlagen mit steigenden Siebrestmengen sowie steigenden Kosten für die Entsorgung dieser Siebreste 275 Anlagenbetreiber zu dieser Thematik befragt. Daneben wurden Sortieranalysen von Siebresten auf vier Biogutbehandlungsanlagen durchgeführt, des Weiteren Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen innovativer Aufbereitungstechniken für Siebüberläufe sowie die Formulierung von Praxisempfehlungen auf Basis der Ergebnisse des Projekts.