Mit physikalischen Modellversuchen wurden kritische Parameter für den Transport von Wasserleichen mit lebenden Menschen in Quellbächen ermittelt. Dazu wurden sowohl Bergungspuppen als auch freiwillige Personen durch gleichförmig anströmendes Wasser in Bewegung versetzt, um den Bewegungsbeginn in einem bachähnlichen Szenario in einer sicheren Versuchsumgebung zu ermitteln. Es zeigte sich, dass die benötigte Strömungsgeschwindigkeit, um die maximale Haftreibung der Körper am Boden zu überwinden, sich trotz körperlicher Unterschiede der Probanden kaum voneinander unterscheidet.
Durch Versuche sollte nachgewiesen werden, ob eine Wasserleich ein einem deutschen Fließgewässer mit der Flussordnungszahl 1 eine bestimmte Strecke getrieben sein kann. Am Beispiel eines grobmaterialreichen, silikatischen Mittelgebirgsbachs (LAWA Klassifikation Typ 5) sollte die Möglichkeit der Beförderung einer Wasserleiche innerhalb eines definierten Zeitraums nachgewiesen werden. Dazu wurden zunächst die hydraulischen und hydrologischenVerhältnisse im besagten Zeitraum analysiert. Zudem wurde eine Literaturrecherche zum Transportverhalten von Wasserleichen durchgeführt. Der dominante Forschungszweig beschäftigt sich hier jedoch primär mit Küstengebieten sowie tieferen Fließgewässern. Daraus geht hervor, dass bei größerer Wassertiefe ein ausgeprägte reslaterales Verhalten von Wasserleichen zu beobachten ist, die Körper im Wasser treiben statt aufzuliegen und dabei eine vorneübergebeugte Haltung einnehmen. Hierbei wird in vier Phasen unterschieden: 1. das Absinken unmittelbar nach dem Ertrinken, 2. ein Verbleiben auf dem Grund, 3. nach Einsetzten der Verwesungsprozesse ein Auftreiben an die Oberfläche 4. sowie weiterer Verbleib an der Oberfläche [1], [2], [3]. Mit den verfügbaren Informationen ließ sich aber das Verhalten an einem grob materialreichen, silikatischen Mittelgebirgsbach mit geringen Wassertiefen und somit mit einem Aufliegen einer Wasserleiche auf dem Gewässergrund nicht erklären. Zudem konnte keine Literatur gefunden werden, die den Transport von Wasserleichen bei kleinen Wassertiefen bzw. in Quellbächen erforscht. Ausschlaggebend für eine Fortbewegung ist daher die kritische Transportgeschwindigkeit, um die Haftreibung zwischen Wasserleiche und Boden zu überwinden. Dafür wurde zunächst experimentell durch Versuche mit Bergungspuppen undspäter mit Freiwilligen verschiedener Gewichts-, Größen-, und Altersklassen gearbeitet.
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| Quelle: | Wasser und Abfall 04 (April 2022) |
| Seiten: | 5 |
| Preis: | € 10,90 |
| Autor: | Martha Wingen Univ.-Prof. Dr.-Ing. Holger Schüttrumpf |
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